Aufruf an alle europäischen Parlamentarier, die erwägen, für die « Schuldenbremse » des Stabilitätspaktes zu stimmen

Traduction en allemand du billet de Paul Jorion ADRESSE À TOUS LES PARLEMENTAIRES EUROPÉENS QUI ENVISAGENT DE VOTER LA « RÈGLE D’OR ». Merci à Dagmar Kiderlen.

Dies ist ein « Presslib »-Artikel*)

Die alberne Formel des europäischen Stabilitätspaktes und der davon abgeleiteten 3-Prozent -Regel der Schuldenbremse setzt voraus, (wie ich schon kürzlich in einer chronique du Monde-Economie geschrieben habe), dass das Wirtschaftswachstum gleich oder höher ist als der mittlere Zinssatz, der von den Kapitalmärkten für die Staatsschulden verlangt wird.

Je geringer das wirtschaftliche Wachstum einer Nation ist, desto mehr ist ihre Wirtschaft in Gefahr, und je mehr die Wirtschaft in Gefahr zu sein scheint, desto höher wird die « Risikoprämie », die von diesem Land für Kredite verlangt wird. Wenn die « goldene » 3-Prozent-Regel besagt, dass das Wachstum gleich oder höher als der « mittlere » Zinssatz sein soll, ergibt sich der berühmte Schereneffekt :

« Wenn man nicht will, dass die Staatsverschuldung steigt, während das Wirtschaftswachstum sinkt, dann muss letzteres schnell steigen, um den « mittleren » Zinssatz für die Staatsschuld zu übertreffen, wobei dieser wiederum, aufgrund des erhöhten Risikos durch das Sinken des Wachstums, gerade steigt »

Sehr geehrte Abgeordneten, wenn Sie jetzt denken, dass Sie noch nie im  Leben so etwas idiotisches gehört haben, dann überdenken Sie Ihre Wahl nochmals : denn es ist, nur anders ausgedrückt, genau das, dem Sie zustimmen wollen!

Natürlich ist es möglich, aus diesem selbst auferlegten Albtraum herauszukommen, indem man die Ausgaben, die die Staatsverschuldung wachsen lassen, mit den Einnahmen vergleicht.  « Einnahmen » aber bedeutet « Steuern », und wenn man über « Steuern » spricht, tritt man unweigerlich in Konflikt mit der Tatsache, dass die führenden  Gesellschaftsschichten in unseren Ländern in der Regel versucht sind, sich der Besteuerung ganz oder teilweise zu entziehen ; daher wird es vorgezogen, über « Wirtschaftswachstum » zu sprechen, ganz egal, ob dies in krassem Widerspruch zu jeglicher Logik, zur Mathematik und zum gesunden Menschenverstand steht.

*) Ein Presslib-Artikel ist ein Artikel, der für eine digitale Verbreitung in Auszügen oder vollständig frei zur Verfügung steht, vorausgesetzt, dass folgender Abschnitt beigefügt ist :

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11 réflexions au sujet de « Aufruf an alle europäischen Parlamentarier, die erwägen, für die « Schuldenbremse » des Stabilitätspaktes zu stimmen »

  1. pas un allemand ne va comprendre cet article, étant donné que règle d’or ne se dit pas du tout « goldene regel », mais Schuldenbremse ».
    enfin, moi je dis ça, je dis rien…

    1. En allemand, la  » Goldene Regel » est en fait l’impératif catégorique selon la célèbre formule de Kant : „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“
      Ce qui signifie en pratique: « Was du willst, das die Menschen dir tun sollen, das tue ihnen zuvor« 

  2. Ewiger Besserwisser,
    jeder Deutsche freut sich über so eine gute übersetzung da er ja wohl oder übel beide
    Sprachen spricht, ist ihm diese kleine ungenauigkeit nicht mal aufgefallen
    Danke für die übersetzung
    M-L; C.

  3. Quelques fois j’aurais employé le masculin singulier au lieu du neutre.

    Sur le fond, je ne suis pas absolument convaincu du lien qui existerait entre taux du crédit et croissance nécessaire, parce que… parce qu’on néglige dans ce raisonnement, le rapport entre le montant de l’emprunt et la taille de l’économie en question, ce qui fait que pour un taux d’intérêt élevé, si le montant est faible, l’exigence de croissance induite me semble plus faible que la relation mathématique exposée ici ne le laisserait supposer.

  4. @ clem
    entschuldigung, aber das ganze blog hier beruht auf besserwisserei. Paul Jorion weiss alles, kann alles, englisch, niederländisch, französisch und wahrscheinlich noch viele sprachen, es gibt ja nur 6000 sprachen ; er ist spezialist für anthropologie, wirtschaft, politik, linguistik, psychoanalyse, geschichte, mathematik, künstliche intelligenz und sicherlich vieles mehr. ein wunder, dass die welt immer noch nicht besser funktioniert, man bräuchte doch nur, die seiten hier zu lesen.
    tut mir leid, dass ich auf einen fehler aufmerksam mache, so dass man ihn korrigieren kann. auch mit fehler ist natürlich die übersetzung ein volltreffer, besser kann sie natürlich nicht werden.

      1. nichts zu danken, und verzeihen sie meinen ton in der vorigen nachricht, die beschimpfung « besserwisser » hat mich auf die palme gebracht. natürlich wissen wir gemeinsam besser. wenn man nur noch loben darf, dann ist auch das unternehmen dieses blogs sinnlos.

  5. Bedauerlicherweise haben Paul Jorion und François Leclerc nie begreifen wollen ,dass die Schulden beim gegenwâtigen Geldsystem einfach nie sinken werden können wie immer auch das wachstum der Wirtschaft ausfällt.
    Sollte ein Sinken der ôffentlichen Schuld gelingen, so werden unweigerlich die privaten Schulden krâftig zulegen.
    Warum ist das so?
    Alles angelegte Geld sucht hôchstmôgliche Zinsen, und somit steigen Kapitalanlagen durchschnittlich einfach immer nach der exponentialen Zinseszinsgleichung, und das bedeutet, dass der Geldanspruch exponential im gleichen Rythmus steigt wie die Gesamtverschuldung. Die im Kapitalismus einzige Möglichkeit ist ein drastischer Schuldenschnitt über grossangelegte Staatsbankrotte, die dann aber die Kapitalanleger empfindlich treffen wird. Kein Weglügen dieses Sachverhalts mit Hilfe der Wachstumsideologie hilft da.
    Der anderer Weg, der der Freiwirtschaft, die das bare Geld im Umlauf halten würde mit Hilfe der Durchhaltekosten (periodische Bargeldgebühr von 5% jährlich), wäre technisch leicht und sofort einführbar. Es würde genügen, dass die Zentralbank ab sofort alle Refinanzierungen nur noch mit neuen Freigeldscheinen (exklusiv 5, 10, 20 und 50 Euroscheine mit dreimotaiger Umtauschgebühr von 1,25%) tâtigt, 100, 200 und 500 Euroscheine soll sie nie wieder ausgeben!
    Eine solche Massnahme würde generell erreichen, dass die Geldkapitalzinsen ûberal rasch sinken würden, alle Neuverschuldungen würden teure Altschulden billig ersetzen, die Wirtschaft würde sich in allen überschuldeten Ländern nachhaltig erholen .
    Der Schuldeschnitt würde sich so auf die sanfte Tour durchsetzen so dass eben die Gelkapitalien nicht mehr weiterwachsen könnten und im Gleichschritt mit dem eintretenden Schuldenabbau eben auch abgebaut würden, was ja nur gerecht und sinnvoll wäre.
    Keiner wäre grob enteignet und jedem stünde es frei, in anderen Kapitalanlagen als im reinen geldmarkt weiter sein spekulatives Glück zu suchen.
    Insgesamt hätte eine solche grundsätzliche Nachfragestützung zur Folge, dass der gesamte Waren-, Sachkapital- und Dienstleistungsmarkt immer rasch und in dem Masse abgesetzt würde wie die Produktion dem nachkommen könnte.
    Ohne sonstigen Wachstumszwang wären eine allgemeine Lohnerhöhung und die generelle Vollbeschäfting die zu erwartenden Folgen dieser Massnahme, und auch eine ökologische Umorientierung der Wirtsschaft wäre so leicht zu bewerkstelligen.
    Der rasche Geldumlauf würde dem Staat erhebleiche Steuerüberschüsse bescheren, die er dann zum Schuldenabbau und zur ökologischen Umorientierung einsetzen werden müsste.
    Ein Gefahr der Kapitalflucht aus dem Euroraum besteht in keiner Weise, weil die umlaufgebürhlichen gelder in allen Fällen im Euroraum umlaufen werden und nirgendwo anders.
    Wenn ein reiche Mann dann Schweizer Franken, Pfunds oder gar Dollar hortet, so wird das des Euroumlauf in Freigeld nicht im geringsten behindern.

  6. Dear Paul,

    very good! Thanks for the support. I have just put up an article on the same subject at my website in English, dealing with it under a slightly different aspect: « Greece Still in Need of Grease ». The article also contains 3 short videos (English subtitles) with Dirk Müller, a young investment consultant and stock broker, who managed to break the taboo about compound interest in the public didcussion on mainstream media.

    Cordialement
    Robert

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